Lebenraum und Verbreitung

Der Steinadler ist ein Generalist unter den Greifvögeln der über die gesamte Nordhalbkugel verbreitet ist. Er hat es geschafft, sich an die unterschiedlichsten Lebensraumbedingungen anzupassen und besiedelt heute unterschiedlichste offene und halboffene Landschaften von den Hochlagen der europäischen und asiatischen Gebirge über die Tundrenlandschaften Nordasien bis hin zu den steppen- bis fast wüstenartigen Landschaften Kaliforniens, Mexikos und Nordafrikas.
Die Dichte der Steinadlerbestände variiert lokal sehr stark. Nicht zuletzt wegen menschlicher Verfolgung ist der Steinadler in manchen ehemals besiedelten Gebieten heute ausgestorben. So war der Steinadler in historischer Zeit auch in Europa wesentlich weiter verbreitet. Aufgrund anhaltender massiver Verfolgung, aber auch wegen der Veränderung der Landschaften ist der Steinadler jedoch aus weiten Bereichen Mitteleuropas verschwunden. Auch in den Alpen haben die Bestände der Steinadler bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts dramatische Einbußen hinnehmen müssen und standen am Rande des Aussterbens.

 



Steinadler sind in ihren Lebensraumansprüchen nicht sehr wählerisch. In erster Linie sind sie auf ein entsprechendes Angebot an ungestörten Horstplätzen sowie auf ausreichend große offene und halboffene Flächen mit einem entsprechenden Beutetierangebot angewiesen. Steinadler sind territoriale Vögel, die ein Brutrevier zwischen 30 und 100 km² beanspruchen. Die Größe der Reviere ist im wesentlichen von der Struktur der Landschaft und vom Beutetierangebot abhängig und variiert deshalb zwischen den unterschiedlichen Lebensräumen sehr stark.
Im größten Teil ihres Verbreitungsgebiets sind Steinadler das ganze Jahr über an ihre Territorien gebunden. Lediglich in den am weitesten nördlich gelegenen Lebensräumen (z.B. in Nordost-Finnland oder in Alaska) verlassen die Tiere im Winter ihre Reviere und ziehen in weiter südlich gelegene Überwinterungsgebiete. Im Gegensatz zu den erwachsenen Brutvögeln unternehmen Nicht-Brüter vor allem in den ersten Lebensjahren sehr weite Wanderungen und Streifzüge. Wie man aber aus Beobachtungen beringter Adler weiß kehren die meisten von ihnen im Laufe ihres weiteren Lebens wieder in die Näher ihres Geburtsortes zurück.

 

Verbreitung des Steinadlers nach del Hoyo et al. 1991. Digitalisiert im Rahmen des Projektes Global Register of migrating species - GROMS (mit freundlicher Genehmigung von Klaus Riede).



Horststandorte

Steinadler bauen sehr große, oft über Jahre hinweg benutzte und daher oft entsprechend mächtige Horste. Daher sind Steinadler auf entsprechende Horstunterlagen in Form von geräumigen Felsnischen oder mächtigen alten Bäumen angewiesen. In den Alpen werden die meisten Horste in Felswänden angelegt. Jedoch sind zum Beispiel in der Schweiz mit zunehmenden Steinadlerbeständen auch immer mehr Baumhorste bekannt geworden.
Entscheidend für die Horstplatzwahl ist einerseits die Lage des Standorts in Relation zu den Nahrungsgebieten und andererseits die Thermiksituation in der Nähe des Horstes. In den Alpen werden die Horste meist in Felsen unterhalb der Baumgrenze gebaut, um so den Anflug mit schwerer Beute aus den oberhalb der Baumgrenze gelegenen Jagdgebieten zu erleichtern. Für den Bruterfolg ist jedoch auch die Ungestörtheit des Standortes entscheidend. Störungen an Horststandorten können dazu führen, dass Horste über Jahre hinweg nicht mehr genutzt werden.

 

Felshorste werden von Steinadlern in geräumigen und geschützten Felsnischen gebaut (Foto: © NPS K. Bliem)
Nur auf mächtigen alten Bäumen können Steinadler Baumhorste anlegen (Foto © NPS K. Bliem)


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