Das Adlerjahr

Erwachsene, verpaarte Steinadler bleiben normalerweise über Jahre hinweg ihrem Partner und auch ihrem Territorium treu. In den Alpen sind sie das gesamte Jahr über standortstreu, das heißt, sie verlassen auch im Winter ihre Territorien nicht. Jedes Steinadler-Revier beherbergt normalerweise mehrere Horste (im Durchschnitt 5-6), die oftmals zwischen den Jahren alternierend benutzt werden. Bereits ab Februar beginnen die Adler intensiv mit Ausbesserungsarbeiten an ihren Horsten. Am Horstbau, bzw. an den Ausbesserungsarbeiten beteiligen sich beide Paarpartner. Zu dieser Zeit entscheidet sich, welcher der im Revier befindlichen Horste in diesem Jahr genutzt wird.

Im Spätwinter kann man besonders oft den sogenannten Girlandenflug beobachten, der als territoriales Abgrenzungsverhalten gegenüber benachbarten Adlern eingesetzt wird. Später in der Brutsaison nimmt die Häufigkeit dieses Revierabgrenzungsverhaltens zwar ab, trotzdem kann man es auch dann noch beobachten, besonders oft in Gebieten mit dichten Steinadlerpopulationen.

Kurz vor der Eiablage, die in den Alpen meist zwischen Ende März und Anfang April stattfindet, beginnen die Adler damit, grüne Zweige in den Horst einzutragen. Dieses Verhalten ist bei vielen Greifvögeln zu beobachten und steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Abwehr von Parasiten. Es ist auch nach der Eiablage über die gesamte Brutsaison hinweg in unregelmäßigen Abständen zu beobachten.

Ein Steinadler Gelege besteht in den meisten Fällen aus zwei Eiern. Die Bebrütung der Eier erfolgt hauptsächlich durch das Weibchen, obwohl auch das Männchen einen Teil des Brutgeschäftes übernimmt, um dem Weibchen die Jagd zu ermöglichen. Während dieser Zeit liegt jedoch die Hauptaufgabe des Männchens darin, dafür zu sorgen, dass Eindringlinge wie z.B. andere Steinadler aus der Horstnähe bzw. aus dem Revier ferngehalten werden.

Die Bebrütung der Eier dauert zwischen 43 und 45 Tagen. In den Alpen ist mit dem Ausschlüpfen der Jungen ab Ende April zu rechnen. Da die Bebrütung sofort mit der Ablage des ersten Eis beginnt, erfolgt das Schlüpfen der Jungvögel asynchron.

Die frisch geschlüpften Steinadler-Küken werden in den ersten 14 Tage fast durchgehend von beiden Elternteilen gehudert. Auch die Nahrung für die Jungen wird von beiden Eltern erbeutet und zum Nest gebracht. Bis die Jungen ca. 30 Tage alt sind werden sie von ihren Eltern mit zerlegten mundgerechten Beutehappen gefüttert, danach sind sie selber in der Lage, größere Beutestücke zu zerlegen und zu fressen. Die Besuche der Eltern am Nest werden von da ab immer kürzer und beschränken sich oft auf das „Abliefern“ ganzer Beutetiere.

Insgesamt dauert die Nestlingszeit zwischen 65 und 70 Tagen. In den meisten Fällen wird der schwächere (meist der zweitgeschlüpfte) Jungvogel vom stärkeren in aggressiven Auseinandersetzungen getötet, sodass nur ein Jungvogel bis zum Ausfliegen überlebt.

In den Alpen verlassen die Jungvögel den Horst meistens in der zweiten Julihälfte. Nach ihren ersten Flugversuchen bleiben die jungen Steinadler lange Zeit in Nähe des Horstes. Bis in den nächsten Winter hinein bleiben sie im Territorium ihrer Eltern, und erst wenn diese zu Beginn der nächsten Brutsaison auch gegen ihre eigenen Jungen immer aggressiver werden, lösen sich die Familienbande auf und die jungen Steinadler verlassen das Revier ihrer Eltern. Sie streichen danach oft weit umher und kehren erst in ihrem dritten Lebensjahr wieder in die Nähe ihres Heimatterritoriums zurück. Steinadler erreichen die Geschlechtsreife normalerweise mit vier bis fünf Jahren. In seltenen Fällen kommt es jedoch schon im zweiten Lebensjahr zu Nestbauverhalten und im dritten Lebensjahr kann es zu ersten Verpaarungen kommen. Steinadler sind sehr langlebige Vögel und können ein beträchtliches Lebensalter von weit mehr als 35 Jahren erreichen.

 

Grafische Darstellung des Adlerjahres




Nach dem Schlüpfen bis zu einem Alter von ca. 20 bis 25 Tagen sind Steinadlerküken weiß bis fahlgrau gefärbt (Foto: © NPS K.Bliem).




Kurz vor dem Ausfliegen sind die jungen Steinadler kaum mehr von ihren Eltern zu unterscheiden (Foto: © NPS, K. Bliem).



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